Entwicklung der Country Musik in Jahren

 

Ab 1920: Erste Schallplattenaufnahmen, erste Radiosendungen       
Anfang der zwanziger Jahre existieren im Süden der USA zahlreiche lokale und regionale Stilrichtungen als Vorformen der späteren Countrymusik. Beispiele sind die Musik der Appalachenbauern und andere volksmusikalische Stile der aus unterschiedlichen Regionen Europas stammenden Einwanderergruppen. Auch der Blues der Afroamerikaner spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Schwarz und Weiß leben neben- und miteinander und beeinflussten sich gegenseitig (Es gibt sogar vereinzelt afroamerikanische Musiker, die Country spielen, wie etwa DeFord Bailey).

In den großen Städten wird von der Oldtime-Musik kaum Notiz genommen. Sie gilt als altmodisch und hinterwäldlerisch. Die neu entstandenen Massenmedien – Radio und Schallplatte – ignorieren die ländliche Musik zunächst ebenfalls.


4. Januar 1923: Erste regelmäßige Barn Dance Show im Radio
Mit Beginn der zwanziger Jahre treten erstmalig Country-Musiker im neuen Medium Radio auf. Gespielt wird live, es existieren noch keine Tonträger mit Oldtime-Musik. Das Abspielen von Schallplatten sollte noch bis Mitte der 1940er Jahre allgemein unüblich und ein strittiger Punkt zwischen Musikergewerkschaften und Radiosenderbetreibern bleiben. Die Zuhörer reagieren begeistert auf die Shows, und bald werden regelmäßige Programme eingerichtet, die so genannten "Barn Dance Shows". Der in Fort Worth, Texas beheimatete Sender WBAP macht am 4. Januar 1923 den Anfang. 1924 folgt der Chicagoer Sender WLS, der in den 1930er und 1940er Jahren mit dem "National Barn Dance" die stilprägende Country-Show dieser Jahrzehnte, den "National Barn Dance", ausstrahlen sollte.


14. Juni 1923: Aufnahme des Fiddlers Johnny Carson in Atlanta durch Ralph Peer von Okeh Records
Es gibt zwar schon vorher vereinzelte Schallplattenaufnahmen von ländlicher Musik. 1922 beispielsweise verschaffen sich Henry Campbell Robertson und Henry Gilliland fast mit Gewalt Eingang in ein New Yorker Studio und erzwingen eine Aufnahmesession. Die frühesten Produktionen bleiben aber weitestgehend unbeachtet.

Der New Yorker Geschäftsmann und Produzent Ralph Peer fährt am 14. Juni 1923 mit einem transportablen Aufnahmestudio nach Atlanta und spielt mit dem Fiddler Johnny Carson zwei Songs ein. Nach überraschend positiven Verkaufszahlen erhält Carson von der Firma Okeh Records einen Schallplattenvertrag. Zum ersten Mal hat die Musikindustrie damit das neue Genre anerkannt. Der 14. Juni 1923 gilt als der kommerzielle Beginn der Country-Musik.


Anfang 1925: Ralph Peer prägt den Begriff Hillbilly-Musik
Das neue, erfolgreiche Genre hat immer noch keinen Namen. Ralph Peer greift eine Bemerkung vom Bandleader Al Hopkins auf und bezeichnet die ländliche Musik als "Hillbilly".

28. Nov. 1925: Die Grand Ole Opry Show geht erstmalig auf Sendung

Die vom Sender WMS aus Nashville unter der Leitung von George D. Hay übertragene Samstag-Abend-Show entwickelt sich zur erfolgreichsten und langlebigsten Radiosendung aller Zeiten. Zuerst nur regional zu empfangen wird ab 1928 mit einem stärkeren Sender der gesamte nordamerikanische Kontinent mit Country-Musik versorgt.


Ab 1925: Die ersten "Singing Cowboys" treten auf
Die Cowboy-Songs stammen, wie auch zahllose Geschichten und Legenden, aus der Zeit der Eroberung des Wilden Westens. Die Country-Musik der zwanziger Jahre greift die alten Themen auf und stellt sie romantisch verklärt dar. Die Sänger, bei denen es sich nur in den seltensten Fällen um echte Cowboys handelt, treten oft in reinen Fantasiekostümen auf. Carl T. Sprague ist 1925 der erste, von dem eine Schallplatte aufgenommen wird. Das Genre wird in den 1930er Jahren besonders populär.


August 1927: Jimmie Rodgers und die Carter Family werden entdeckt
Ralph Peer begibt sich mit einem transportablen Aufnahmestudio und zwei Tontechnikern nach Bristol, Tennessee und nimmt in einem alten Lagerhaus die Darbietungen von insgesamt 76 Musikern auf. Während dieser mehrtägigen „Bristol Session“ werden Jimmie Rodgers und die Carter Family entdeckt. Sie entstammen der anglo-irisch geprägten, noch äußerst archaischen Musiktradition der Appalachen. Rodgers hat allerdings schon sehr viel Showbusiness-Erfahrung und ist Peer, der gerade das Komisch-Bäurische, Naive seiner Künstler/innen zu vermarkten versucht, zuerst nicht "Hinterwäldler" genug. Sie erhalten anschließend Schallplattenverträge und werden die ersten großen Stars der Country-Musik. Die "Bristol-Sessions" gelten als erster wichtiger Meilenstein der kommerziellen Country-Musik. Die Carter Family und Jimmie Rodgers werden noch heute von Country-Musiker/innen als Vorbilder angegeben.

 

Ab 1933: Neue Stilrichtungen entstehen

          
1933: Ken Maynard stellt den ersten Singing Cowboy im Film dar
Der ehemalige Stummfilmstar löst damit eine Welle von B-Western aus, die erst Ende der 1940er Jahre verebben wird. Gene Autry, Roy Rogers oder Tex Ritter werden zu nationalen Helden. Hollywood erfüllt mit diesen wenig anspruchsvollen Filmen und ihren kitschig erscheinenden Liedern die Bedürfnisse eines breiten, ländlichen Publikums. Durch diese Filme wird ein nostalgisches Cowboy-Klischee immer stärker zu einem Symbol der nationalen Identität der USA.


1934: Bob Wills nimmt ersten Western-Swing-Titel auf
Milton Brown und Bob Wills entwickeln Mitte der dreißiger Jahre den Western-Swing. Durch die Big-Band-Mode des Swing beeinflusst, übernehmen sie Jazz-Elemente in die Country-Musik.


Mitte der dreißiger Jahre: In Texas entsteht der Honky Tonk
Der Begriff "Honky Tonk" (Bezeichnung für rauere Kneipen) bezeichnet eine neue Stilrichtung der Country-Musik, die sich in den Kneipen und Bars im Umkreis der texanischen Ölfelder bildet. Aufgrund der hohen Lautstärke in diesen Etablissements müssen die Gitarren elektrisch verstärkt werden. Der Name der neuen Stilrichtung taucht erstmals 1937 im Al-Dexter-Song "Honky Tonk Blues" auf.


1938: Roy Acuff tritt erstmalig in der Grand Ole Opry auf
Roy Acuff wird für Jahrzehnte der größte Star der Grand Ole Opry. Er ist vor und hinter den Kulissen einer der wichtigsten Figuren der kommerziellen Country-Geschichte überhaupt. Im Zweiten Weltkrieg wird er auch zu einer nationalen Identifikationsfigur.


1940: Der Bluegrass entsteht
Bill Monroe entwickelt fast im Alleingang den Bluegrass, der noch heute zu den wichtigsten Stilrichtungen der Country-Musik zählt und inzwischen auch eine Art authentische "Volksmusikszene" darstellt. Obwohl der Bluegrass schwer zu spielen ist und hohes musikalisches Können jedes einzelnen Band-Mitglieds erfordert, entstehen schnell weitere Formationen, die zum Teil von ehemaligen Mitgliedern der Band Bill Moroes, den Bluegrass Boys, gegründet werden.


14. Dezember 1941: Die BMI wird gegründet und bricht das Monopol der ASCAP
Die American Society Of Composer, Authors And Publishers (ASCAP) besitzt zu diesem Zeitpunkt ein Monopol auf die Lizenzvergabe von Musikstücken. Nur wer der ASCAP angehört, erhält für seine Songs Tantiemen. Die ASCAP steht der Country-Musik schroff ablehnend gegenüber. Die Autoren erhalten daher für ihre im Radio gespielten Stücke kein Geld. 1940 boykottieren die Radiostationen nach einem Streit die ASCAP. Für zehn Monate werden nur noch lizenzfreie Werke gespielt, und das sind zum guten Teil Country-Musik-Stücke (ebenso allerdings Blues-Stücke, was zur Entstehung des Rockabilly und Rock and Roll Anfang der 50er führt). Die Country-Autoren schließen sich überwiegend der neu gegründeten Broadcast Music Incorporated (BMI) an und werden von da an nicht mehr benachteiligt.

 

Ab 1941: Die Country-Musik gewinnt an Popularität

            
7. Oktober 1941: Die USA tritt in den Zweiten Weltkrieg ein
Die Kriegsvorbereitungen fördern indirekt die Verbreitung der Country-Musik. Süd- und Nordstaatler, Stadt- und Landbewohner leben in den militärischen Einheiten auf engstem Raum zusammen. An der Heimatfront ziehen Südstaatler in den Norden, um in den dortigen Rüstungsbetrieben zu arbeiten. Und sie bringen ihre Musik mit. Die Country-Musik erreicht damit neue Bevölkerungsgruppen.

Die Armee setzt außerdem Country-Musiker zur Truppenbetreuung ein. Nach Kriegsende sorgt das American Forces Network (AFN) für eine fast weltweite Verbreitung der Country-Musik.


1942: Roy Acuff und Fred Rose gründen in Nashville den Acuff-Rose-Musikverlag
Ein weiterer Schritt auf dem Weg Nashvilles zum Zentrum der kommerziellen Country-Musik ist damit getan. Die etablierten Schallplattenfirmen aus New York oder Chicago verlieren an Einfluss. Die Entscheidungsträger sitzen jetzt in der Hochburg der Country-Musik.


Ab 1945: Die "Goldenen Jahre" der Country-Musik beginnen

Vom wirtschaftlicher Aufschwung nach Kriegsende profitiert auch die Country-Musik. Es beginnen die "Goldenen Jahre". In Nashville entstehen die ersten Aufnahmestudios. Vorreiter ist DECCA. Der 1940 entstandene Bluegrass wird populär. Honky Tonk dominiert. Die wichtigsten Vertreter dieser Stilrichtung sind in jenen Jahren Ernest Tubb und Superstar Hank Williams.


1947: Die Grand Ole Opry gastiert erstmalig in der New Yorker Carnegie Hall, was die mittlerweile landesweite Popularität der Country-Musik belegt.
11. Juni 1949: Nachdem er sein Talent beim Louisiana Hayride in Shreveport (Louisiana), der Talentschmiede und der zweitbeliebtesten landesweiten Radioshow, unter Beweis gestellt hat, singt Hank Williams erstmalig in der Grand Ole Opry. Er soll zu einem der größten Stars der Countrymusik überhaupt werden. An diesem Tag schafft er den Durchbruch. Sein "Lovesick Blues" reißt das Publikum zu nie dagewesenen Begeisterungsstürmen hin, und er muss sechs Zugaben geben.


Juni 1949: Das Magazin Billboard (Magazin) ersetzt den Terminus „Hillbilly“ durch "Country & Western".
Meist mit C&W abgekürzt liegt hier das Pendant zum Rhythm & Blues (R&B) vor. Die Bezeichnung ist allerdings auch eine bewusste Abgrenzung gegen den bis dato auch wahlweise benutzten Begriff "Folk". Dieser ist häufig von linken und dem Kommunismus nahestehenden Musiker/innen benutzt worden, von denen man sich in Zeiten des McCarthyismus distanzieren will.

 

Ab 1953: Der Rock'n'Roll beherrscht die Musikszene


1. Januar 1953: Hank Williams stirbt im Alter von 29 Jahren. Er wird endgültig zur Legende und zur Ikone der Country-Musik.

1953: erste Rock'n'Roll-Aufnahme von Bill Haley – Entstehung des Rockabilly
Die neue Stilrichtung entsteht durch Aufnahme von Elementen des schwarzen Rhythm & Blues. Er wird zunächst ausschließlich von weißen Country-Musikern gespielt und als Rockabilly bezeichnet. Später, und mit einer nationalen Ausbreitung der neuen Mode, wird der Begriff Rock’n’Roll populär. Führende Vertreter sind unter anderem Jerry Lee Lewis, Buddy Holly, Eddie Cochran und Carl Perkins.


1954: Elvis Presley nimmt seine erste Single auf
Elvis Presley nimmt seine ersten Platten in Sam Phillips' "Sun-Studios" in Memphis auf, in denen u. a. auch Johnny Cash seine ersten Alben aufzeichnet. Presley gehört in den ersten Jahren seiner Karriere zur Rockabilly-Szene. Seine ersten Platten notieren ausschließlich in den Country-Charts.

Mitte der fünfziger Jahre: Der Rock'n'Roll löst die bis dahin größte Krise der Country-Musik aus.
Praktisch über Nacht verliert die Country-Musik fast die gesamte jugendliche Anhängerschaft. Die "Goldenen Jahre" gehen zu Ende.


Mitte bis Ende der fünfziger Jahre: Als Antwort auf den Rock'n'Roll wird der Nashville Sound kreiert.
Um verlorenen Boden wiederzugewinnen, glätten die führenden Produzenten die Country-Musik. Die bis dahin dominierenden Fiddels werden nur noch selten eingesetzt. Hintergrund-Chöre werden beigemischt. Der Einsatz von Session-Musikern ermöglicht eine gleich bleibend hohe musikalische Qualität, jedoch geht die Individualität immer mehr verloren. Musik wird "am Fließband" produziert.

Die wichtigsten Protagonisten des Nashville Sound sind Chet Atkins, der 1957 die lokale Schallplattendivision von RCA übernimmt sowie der DECCA-Produzent Owen Bradley.

Die Rechnung geht zunächst auf. Durch die Annäherung an die Pop-Musik können die Verkaufszahlen deutlich erhöht werden. Allerdings verliert die Country-Musik an Frische und Authentizität. Der Nashville Sound bestimmt die kommerzielle Country-Musik der späten 1950er und frühen 1960er Jahre. Einer der größten Stars ist Patsy Cline.

1955: Ein weitere spätere Ikone und Legende der Country-Musik feiert erste Erfolge: Johnny Cash.

 

Ab 1960: Folk-Revival und Country-Rock

 

In den sechziger Jahren bereichert eine Vielzahl von weiblichen Interpreten die Country-Musik. Tammy Wynette, Dolly Parton, Dottie West und andere treten ins Rampenlicht. Trucker Songs werden populär und drängen die Eisenbahn-Songs in den Hintergrund. Ansonsten dominiert der seichte Nashville Sound. Die Folk-Musik erlebt eine Wiedergeburt. Sie ist allerdings urbaner als die ursprüngliche Folk-Musik ländlicher Prägung. Ihre Protagonisten entstammen einer weißen Mittelschicht, die mit den gegenwärtigen sozialen, kulturellen und politischen Umständen unzufrieden ist. Die wichtigsten Stars sind Bob Dylan, Pete Seeger und Joan Baez.


1963: Merle Haggard nimmt seine erste Platte auf.
Der größte Star der sechziger und siebziger Jahre startet von Bakersfield aus seine Karriere. Mit seinem angeblich missverstandenen Song "Oakie from Muskogee" (1969) gilt er jedoch auch als Auslöser eines reaktionären Trends gegen Hippies und Liberale in der Country-Musik, der sich bis zur Reaktion der Mainstream-Country-Szene auf 9/11 verfolgen lässt.


Ende der sechziger Jahre: In Kalifornien entsteht der Country Rock
Bob Dylan gibt 1968 mit seinem in Nashville produzierten Album "John Wesley Harding" die Richtung vor. Die Byrds produzieren unter dem Einfluss von Gram Parsons Sweetheart Of The Rodeo, das als erstes Country-Rock-Album der Musikgeschichte angesehen wird. Country-Rock-Elemente werden von zahlreichen Bands aufgegriffen, bis hin zu den Rolling Stones. Schon 1967 nehmen The Band aus New York ihre "Basement Tapes" auf, die jedoch lange nur als Bootleg vertrieben werden.

Die neue Entwicklung führt zu einer Auffrischung einer weniger kommerziell ausgerichteten Country-Szene in den USA, da sich nun auch junge, progressiv denkende Menschen wieder mit der Musik identifizieren können. Verschiedene neue Untergenres entstehen durch Wiederentdeckung von in Vergessenheit geratenen Stilen und Verschmelzung mit anderen in den USA existierenden Musikrichtungen wie z.B. lateinamerikanischer Musik (Tex-Mex).

1968/69: Johnny Cash gibt umjubelte Konzerte in den kalifornischen Strafanstalten Folsom State Prison und San Quentin und wird damit weltweit populär.

 

Ab 1970: Der Mainstream dominiert

             
Anfang der 1970er Jahre: Die Outlaw-Bewegung um Willie Nelson und Waylon Jennings beginnt
Als Antwort auf den langweilig gewordenen Nashville Sound und auf das Diktat der Produzenten, die den Sängern kaum künstlerische Freiheit einräumen, aber auch angeregt durch neue musikalische und soziale Entwicklungen, verlassen auch etablierte Stars wie Willie Nelson, Waylon Jennings oder Tompall Glaser Nashville Richtung Austin, Texas. Hier existiert bereits eine frische und lebendige Country-Musik-Szene, der sie sich anschließen. Die profiliertesten Outlaw-Künstler sind auch kommerziell sehr erfolgreich.

Nach den Anfangserfolgen versuchen viele Musiker, auf den Outlaw-Zug aufzuspringen. Qualitäts- und Identifikationsprobleme sind die Folge, und so ist die Bewegung 1976/77 am Ende.

 

Ab 1980: Die "Neuen Traditionalisten" beleben die Country-Musik

 

Der seichte, Poporientierte Nashville Sound beherrscht wieder die Szene. Es tauchen Leichtgewichte wie John Denver, Linda Ronstadt und Olivia Newton-John auf und haben kommerziellen Erfolg. Authentische und traditionelle Country-Musik wird fast nicht mehr produziert.


1980: Urban Cowboy
Nach dem John-Travolta-Film „Urban Cowboy“ bewegt sich die Country-Musik weiter auf die Pop-Musik zu. Die Verkausfszahlen steigen für einige Jahre steil an.


Ab 1980: Punkgeprägte Musiker/innen entdecken den Country
Von der Ästhetik und Denkweise des Punk geprägte Musiker/innen wie Tav Falco oder Alex Chilton beginnen sich für Rockkabilly, aber auch andere "authentische" Formen des Country oder Roots-Rock zu interessieren. In kleineren Kreisen beginnt ein "alternatives" Country-Revival, was sich vorrangig durch den Cow-Punk Mitte der 1980er manifestiert.


Mitte der 1980er Jahre: Neo-Traditionalismus
1981/82 entsteht eine traditionsorientierte Gegenbewegung, die, angeführt von George Strait, Ricky Skaggs, John Anderson und anderen, Mitte des Jahrzehnts die Oberhand gewinnt.

 

Die nächste Generation

 

Ab 1990: New Country
Eine neue Generation von Country-Sängern um Garth Brooks, Alan Jackson und Tim McGraw leitet wieder eine vorsichtige Annäherung an die Pop-Musik ein, ohne dabei aber die traditionellen Wurzeln der Country-Musik zu verleugnen. In vorsichtiger Dosierung wird das klassische Instrumentarium der Rock-Musik eingesetzt, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Da es bei den meist männlichen Musikern schick ist, große Cowboy-Hüte zu tragen, spricht man auch von "Hat-Acts". Es werden nie zuvor dagewesene Verkaufszahlen erreicht.


Ab 1990: Alternative Country
Gleichzeitig entstehen mit Alternative Country rauere, ungehobeltere, vom Geist des Punk und Independent geprägte Spielweisen, die auf fast ein Jahrhundert Country-Tradition zurückgreifen. Sie bedienen sich aber an vermeintlich authentischen Elementen wie Bluegrass, dem Appalachischen Folk der Carter Family, der politischen proletarischen Folktradition vor allem der 1930er Jahre, aber auch dem Honky Tonk. Dabei setzen sich die Musiker/innen oft bewusst von Nashvilles Massenproduktionen ab. Die meisten Künstler/innen veröffentlichen auf Independent Labels. Johnny Cash feierte ab 1994 mit den "American Recordings" in Zusammenarbeit mit Produzent Rick Rubin ein furioses Comeback als Star des Alternative Country. Ein kurzzeitiges Interesse von großen Major Labels an dem neuen Trend in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wird durch die geringen Verkaufszahlen enttäuscht.

Die wegen ihrer breitkrempigen Stetson-Hüte Hat-Acts genannten Interpreten um Alan Jackson, Tracy Lawrence, Mark Chesnutt und Tracy Byrd prägten den Sound der 90er Jahre, der neben Honky Tonk, stimmungsvollen Balladen und Country-Rock auch den Western Swing zu neuem Leben erweckte. Plötzlich waren Künstler wie Merle Haggard und Waylon Jennings wieder gefragt, alte Hits wurden in schmissiger Neuauflage auf den Markt geworfen und Tribute-Platten feierten Hochkonjunktur.

Der neu gegründete amerikanische Musikkanal CMT (Country Music Television) zeigte Videoclips in typischem Südstaatenambiente und die Plattenverkäufe stiegen stetig. Typisch für die Neo-Traditionalisten war der kommerzialisierte "Slick Sound", der sich für jede Disco eignete. Mitte der 1990er Jahre hatte Garth Brooks nach wenigen Jahren im Geschäft mehr als 150 Millionen Platten verkauft, die Labels erzielten mit Country-Musik Rekordumsätze. Trotz einiger Anstrengungen ließ sich das Phänomen nicht auf Europa übertragen, wohl aber auf Kanada, Australien und Neuseeland.

Im Laufe der Zeit etablierten sich Künstler wie Little Texas, Trisha Yearwood oder Jo Dee Messina, die Popelemente mit traditionellen Motiven verschmolzen und Country für die breite Masse attraktiver machten. Trotz einer vor allem weiblich geprägten Popwelle gegen Ende der 90er Jahre blieb der neotraditionelle Musikstil innerhalb der Country-Musik bis heute tonangebend. Künstler wie Gretchen Wilson, Dierks Bentley oder Brad Paisley erzielen mit dieser Art von Country-Musik hohe Umsätze.